Cromford Gespräche Oktober und November 2018

ZWEI GUT BESUCHTE CROMFORD GESPRÄCHE IM OKTOBER UND NOVEMBER

Die Schriftstellerin Margret Heymann referierte am 8. Oktober sehr eindrucksvoll vom Glanz und Grauen der deutschen Film- und Theaterwelt in der NS-Zeit und lieferte damit eine weitere Fassette zur Thematik der erfolgreichen Sonderausstellung.

Vereinsmitglied Prof. Dr. Uwe Fitzner widmete sich im November dem „Spinnennetz der Industriespionage“ und sprach über die Entwicklung und Bedeutung des Patentwesens –natürlich auch mit engem Bezug zu Brügelmanns Anfängen in Cromford.


„Glanz und Grauen“ – eine Sternstunde und ein Abschied der deutschen Theater-  und Film-Ära mit Beginn der NS-Zeit

In Nachbetrachtung zur großen und über die Landesgrenzen hinaus beachteten Ausstellung „Glanz und Grauen – Mode in der NS-Zeit“ konnten wir die Schriftstellerin Margret Heymann aus Hamburg gewinnen, die hier auch sehr eindrucksvoll den Glanz und das Grauen der deutschen Film- und Theaterwelt in der NS-Zeit beschreibt.

Margret Heymann beeindruckte die Zuhörer mit Ihrem Vortrag über den Glanz und das Grauen der Film- und Theaterwelt.

Eine würdige Annäherung an eines der schwärzesten Kapitel in unserer Geschichte. Der nachhaltige Applaus und die Ergriffenheit der Zuschauer beim Film "Fräulein Else" haben nicht nur das Interesse, sondern auch die Bedeutung des Vortrages in vielen Facetten erkennen lassen. Dieser Vortrag hat beeindruckt. Es war eine würdige Nachbetrachtung zur eindrucksvollen Ausstellung "Glanz und Grauen“.  

Wir dürfen uns auch von dieser Stelle noch einmal sehr herzlich bei unserem Mitglied Hermann-Josef Brügelmann bedanken, der diese Veranstaltung initiiert und gesponsert hat.

Wolfgang Küppers

 

„Im Spinnennetz der Industriespionage: die Basis der Industriellen Revolution auf dem Kontinent im 18. Jahrhundert“

Der Referent, Prof. Dr.-Ing. Dr. jur. Uwe Fitzner, nahm dieses Cromford Gespräch zum Anlass, auf die Entwicklung und Bedeutung des Patentwesens (im Sinne einer Patent-Gesetzgebung) seit dem 17. Jahrhundert ausführlich einzugehen. Vorläufer des uns unter „Patent“ bekannten Erfindungsschutzes war das sog. „Privileg“ (Schutzbrief), welches der Landesvater eines (Klein)staates, aber auch der Kaiser etwa seit dem ausgehenden Mittelalter in Europa dem Erfinder erteilte. Dem so privilegierten Erfinder wurde dabei stets das ausschließliche Verwertungsrecht seiner Erfindung zugesprochen; Nachahmung war ausdrücklich verboten. Die Laufzeiten waren sehr unterschiedlich. Sie reichten von 5 bis zu 20 Jahren bis hin zur Lebenszeit des Erfinders. In den Partikularstaaten des Reichs vergab ein Privileg der jeweilige Landesherr mit der Folge, dass es nur territorial, d.h. in dessen – eher kleinen – Herrschaftsbereich Gültigkeit hatte.

Bild links: Museumsleiterin C.Gottfried mit Referent Prof. Dr. Fitzner und Vorstandsmitglied Dr. Anette Koewius.

Die auf der Waterframe von Arkwright basierende Baumwollspinnerei Cromford/Ratingen von Johann Gottfried Brügelmann nahm 1784 ihren Betrieb als erste Fabrik auf dem Kontinent auf. Dank guter, bis nach England reichender persönlicher Beziehungen gelang es ihm während einiger Jahre zuvor nicht nur, an wichtige technische Konstruktionsdetails der Waterframe zu kommen, sondern auch – und dies vor allem – an einen hochbegabten technischen Fachmann, der früher bei Arkwright in England als eine Art „Chefingenieur“ tätig war. Und der ab etwa 1782 voll funktionsfähige Waterframes für Brügelmann fertigstellte.

Alles in allem: J.G.B. hatte nicht nur eine „glückliche Hand“, sondern auch ziemliches Glück! Denn: seit längerem schon war in England per Gesetz die Ausfuhr von national wichtigem technischen Know-How (z.B. die vollautomatische Spinnmaschine, die der Garnvorbereitung dienende Karde, usw.) und ebenso die Ausreise entsprechender Know-How-Träger bei schwerer Strafe verboten. Da hätte immerhin einiges schiefgehen können.

Im übrigen war seinerzeit England das einzige Land, in dem es ein Patentgesetz gab. Dieses löste dort bereits im 17. Jahrh. das (wohl meist von der englischen Krone erteilte) Privileg ab, während es auf dem Kontinent weiter bestand, meist bis ins 19. Jahrhundert hinein. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts zog man auf dem Kontinent mit (nationalen) Patentgesetzen nach, so z.B. das Deutsche Reich im Jahr 1877.

Dies als Hintergrund für jenes Gesuch, das J.G. Brügelmann 1783 auf Erteilung eines Privilegs für eine Baumwollspinnerei (in Ratingen) an seinen Landesvater, Kurfürst Karl Theodor, stellte. Das Privileg wurde ihm für 12 Jahre erteilt (statt der von ihm erhofften 40 Jahre), aber immerhin als Anerkennung seiner Verdienste, und zwar in Hinblick auf den vielversprechenden Beginn eines wirtschaftlich sehr bedeutsamen Aufschwungs im Herzogtum Jülich-Berg, in dem Ratingen lag.

Dr.-Ing. Alexander Koewius und Dr. Annette Koewius

 

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