Besuch aus Cromford, England

Besuch aus Cromford und Belper, England

Vom 15. bis 18. Juni kamen Gästeführer aus dem englischen Cromford und dem benachbarten Belper nach Ratingen, um die Fabrik von Johann Gottfried Brügelmann und weitere textilhistorisch bedeutende Standorte an Rhein und Ruhr kennenzulernen. Die stellvertretende Museumsleiterin, Christiane Syré, führte sie durch Herrenhaus und Fabrik. Die Ratinger Besucherbegleiterin Cynthia Beißwenger übersetzte für ihre Landsleute während des Besuchs und erzählt für Sie vom Programm der englischen Gäste.

Die Gruppe aus England wurde von der stellvertretenden Museumsleiterin Christiane Syré im Herrenhaus begrüßt. Sie wies auf die engen Verbindungen zwischen den beiden Standorten hin, die sehr erwünscht sind, besonders auf pädagogischer Ebene. Der Zeitpunkt des Besuchs war gut gewählt, da das Spezialgebiet von Belper zu Arkwrights Zeiten die Strumpfwirkerei war. Der Gründer der Fabrik in Belper und Erfinder eines fortschrittlichen Wirkstuhls, Jedediah Strutt, finanzierte zusammen mit einem anderen Partner die erste Fabrik von Richard Arkwright in Cromford in Derbyshire mit.

Die Ratinger Besucherbegleiterin Cynthia Beißwenger (4. v. li.) übersetzte während des Besuchs für ihre Landsleute.

Die Gäste waren sehr gespannt auf die nachgebauten Maschinen in der Ratinger Fabrik, vor allem weil diese in Betrieb betrachtet werden können. In Cromford England gibt es zurzeit keine Maschinen in Originalgröße, sondern lediglich Modelle, da das ganze Gelände und die Gebäude aufwendig saniert werden mussten. Die Gruppe verbrachte einen ganzen Tag in Ratingen mit der Besichtigung des Herrenhauses, der Fabrik, der Sonderausstellung, des Hauses Obercromford und sonstiger historisch relevanter Orte in der Umgebung.

Abends ging es dann nach Kettwig, auch ein Textilstandort und ehemals Sitz der Tuchfabrik Scheidt, einem guten Kunden der Firma Brügelmann, deren Garn dort sehr geschätzt wurde. Am nächsten Tag ging es zum Düsseldorfer Hafen. Brügelmann war nicht nur Verleger, Händler und Fabrikant, sondern setzte sich für eine Verbesserung der Handelsbedingungen ein, z.B. den Ausbau des Düsseldorfer Hafens als Konkurrenz zu Duisburg. In der Citadellstrasse lief man auch an der Stadtresidenz der Familie Brügelmann vorbei.

Nachmittags stand ein Besuch in Krefeld im Haus der Seidenkultur, Paramentenweberei Hubert Gotzes e.V., auf dem Programm. Dort wurde natürlich mit Seide gearbeitet, aber auch die historischen Webstühle, Jacquard-Aufsätze und eine Maschine zur Vorbereitung der Jacquard-Karten waren von besonderem Interesse. Die dazu erforderliche Arbeit des Patroneurs wurde auch deutlich präsentiert.

Lea Hall, wo Florence Nightingale zu Hause war, liegt am Rande von Cromford in England. Wenn sie dort weilte, unterrichtete sie abends die Frauen, die bei Arkwright in den Spinnereien arbeiteten, im Lesen und Schreiben. Zum Abschluss der Kurzreise war daher ein Spaziergang in Kaiserswerth, wo Nightingale 3 Monate bei den Diakonissen verbrachte, um sich über das von Pastor Fliedner aufgebauten Krankenpflegesystem zu informieren, sehr passend. Noch dazu gibt es im Bereich der Fliedner-Gebäude in der Altstadt eine ehemalige Seidenfabrik, die die Textilgeschichte abrundete. Somit hatte sich die Gruppe sowohl am Rhein wie auch an der Ruhr aufgehalten.

Die Gäste waren überrascht, was Ratingen zu bieten hat, und sie sind an einem regen Informationsaustausch sowie engen Verbindungen zu Cromford Ratingen sehr interessiert.

Cynthia Beißwenger

 

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