Autoren:
Beatrix Commandeur, Claudia Gottfried,
Martin Schmidt

Industrie- und Technikmuseen
Historisches Lernen mit Zeugnissen der Industrialisierung

Wer in Ratingen die Textilfabrik Brügelmann besucht, in der „Hohen Fabrik" und im Herrenhaus zwischen Architektur und Exponaten aus dem 18. und 19. Jahrhundert wandelt, der spürt, dass die Hinterlassenschaften der Industrialisierung als „Industriekultur" zu recht in den Rang „klassischer" Kulturdenkmäler erhoben worden ist.

 

Doch wie kam es dazu? Was sind eigentlich Industriemuseen? Wie grenzen sie sich gegen Technikmuseen und Science-Center ab? Welche spezifischen Bildungsangebote machen sie? Wie lassen sich diese in der Diskussion um Bildung und Geschichtskultur verorten? Wie sieht die konkrete Arbeit der Museumspädagogik in diesem Museumstyp aus? Welche Chancen und Möglichkeiten sind damit verbunden? Auf diese und viele andere Fragen geben Beatrix Commandeur, Claudia Gottfried und Martin Schmidt (alle LVR-Industriemuseum) in ihrem Buch Antworten.

Zunächst wird in einem ersten Kapitel die spezielle Museumssparte „Industrie- und Technikmuseen" in ihrer Vielfalt aus ihrer historischen Genese heraus vorgestellt. Der Museumstyp wird dabei in Abgrenzung u.a. von Freilicht- und Handwerksmuseen betrachtet. Das folgende Kapitel widmet sich grundsätzlichen Überlegungen zur Definition von Museumspädagogik im Spannungsfeld von intelligenter Unterhaltung, Vermittlung von Wissen und Bildung sowie unterschiedlichen Lernformen. Dabei legt das Autorenteam Wert darauf, die besondere Stellung der Industrie- und Technikmuseen als außerschulische Lernorte unter Berücksichtigung der schulischen Curricula sowie der aktuellen Diskussion um Geschichtskultur zur erörtern –wobei immer wieder ausgewählte Beispiele museumspädagogischer Programme und Angebote vorgestellt werden. Selbstverständlich hat hier auch das Museum in Ratingen seinen Platz gefunden. In den folgenden beiden Kapiteln wird die konkrete Arbeit der Museen auf der Basis einer 2004 durchgeführten Umfrage analysiert. Dabei geht es nicht um eine Auflistung aller möglichen Programme, sondern vielmehr um eine kritische Bestandsaufnahme dessen, was Museumspädagogik an Technik- und Industriemuseen unter den spezifischen Bedingungen der Musealisierung von Industrialisierung bedeutet. Was ist machbar? Was kann nicht ausgestellt werden? Welche Vermittlungsformen werden gefunden? Mit welchen Problemen sind die Museumsmacher und die Museumspädagogen konfrontiert? Ziel ist es, einerseits den Verantwortlichen in Museen eine Folie für die Eigenreflexion zu bieten, andererseits insbesondere Lehrern die Chancen und Möglichkeiten der Institution „Industrie- und Technikmuseum" näher zu bringen.

Für denjenigen, der dann das Gelesene in der Praxis prüfen möchte, bietet das Buch einen umfangreichen Anhang mit Tipps, Adressen und mehr.

Beatrix Commandeur, Claudia Gottfried, Martin Schmidt, Industrie- und Technikmuseen. Historisches Lernen mit Zeugnissen der Industrialisierung, Schwalbach /Ts. 2007, Wochenschauverlag, 206 Seiten, zahlreiche Abb., 14,30 €, ISBN 978-3-89974333-3

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