Cromford Gespräche

Kultur zum Mitreden: Diskussionsrunden zu kulturellen Themen sind seit Jahren als feste Größe unter den Aktivitäten des Fördervereins etabliert. Nach einem Vortrag wird bei den Cromford Gesprächen in ungezwungener Atmosphäre im Museumscafé diskutiert. Kundige Referenten und interessante Themen, eingebracht auch aus dem Mitgliederkreis, stehen dabei in engem Bezug zum Standort Cromford und greifen den innovativen Geist der einstigen Industriepioniere auf. Dieses Konzept, das Information, Diskussion und geselliges Miteinander verbindet, hat dazu beigetragen, dass sich die Gesprächsrunden wachsender Beliebtheit erfreuen – nicht zuletzt bietet es aber auch eine gute Gelegenheit, den Förderverein, seine Mitglieder und seine Arbeit näher kennenzulernen.

Lesen Sie im Folgenden, worüber in den vergangenen Jahren im Herrenhaus Cromford bereits diskutiert wurde.


Mal stehen aktuelle Ausstellungsprojekte im eigenen Haus oder in der Region im Fokus der Gespräche, mal sind es allgemeine Fragen zur kulturellen Entwicklung: Immer sind es aber Themen, die dazu einladen, ins Gespräch zu kommen und Position zu beziehen.

Im jüngsten Gespräch im März 2017 stellte Volontärin Alexandra Hilleken (Bild mitte und Bild links mit dem Fördervereinsvorsitzenden W. Küppers ) die neue Sonderausstellung "Deutsche Strumpfdynastien – Maschen, Mode, Macher" vor, die von Mai bis Dezember in der Textilfabrik zu sehen ist. Rund 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich sowohl einen ersten Eindruck über 250 Jahren Strumpfmode zu verschaffen, als auch Einblicke in die Entstehung und den Aufbau der neuen Schau zu gewinnen. Am 20. Mai sind dann die Vereinsmitglieder selbstverständlich wieder zur exklusiven Preview eingeladen, wenn Museumsleitung und Volontärin durch die Ausstellung führen.

 

 

Im Jahr 2016 war der Fokus auf das eigene Haus gerichtet. Den Anfang machte das Cromford Gespräch im März, das die Sonderausstellung "Die Macht der Mode. Zwischen Kaiserreich, Krieg und Republik" unter dem Aspekt der Filmkunst näher beleuchtete. Der Bochumer Filmhistoriker Peter Ellenbruch (im Bild links, zusammen mit dem Fördervereinsvorsitzenden W. Küppers) erzählte über die spannende Zeit der frühen Kinofilme vom Kaiserreichs bis in die 1920er Jahre. Natürlich wurden auch entsprechende Filmbeispiele präsentiert, sodass die Teilnehmer hier einen interessanten und sehr kurzweiligen Vormittag erlebeten. Das war einerseits den Filmen, andererseits aber vor allem auch den unterhalt­samen Erläuterungen des Referenten geschuldet.

Und dann war dieses Jahr auch vom Jubiläum zum 20-jährigen Bestehen des Museums geprägt – gewürdigt mit gleich zwei Cromford Gesprächen. Im Oktober erzählten die Museumsleiterin Claudia Gottfried und ihre Stellvertreterin Christiane Syré (Bild re.) von der Gründungsgeschichte des Industriemuseums vor 20 Jahren und von dem schrittweisen Aufbau einer der bedeutendsten Textilsammlungen in Deutschland. Viele kleine Anekdoten begleiteten den Vortrag und stellten anschaulich dar, was so alles passieren kann, wenn Wissenschaftler ihre Bücher links liegen lassen und – sich auf die Suche nach Gegenständen aus der frühindustriellen Arbeitswelt machen, zum ersten Mal ein baumwollenes Musselinkleid von 1800 „in den Händen halten“ oder vor der Frage stehen: Ist das angebotene Amputationsbesteck von 1795 für Mensch oder Tier? Und ist es überhaupt echt? Und was darf man dafür ausgeben?

Im November ging es im 3. Cromford Gespräch um die Fabrikgründung; die Museumsleitung stellte interessante Fragen in den Raum: Wie sähe der Businessplan eines Unternehmers aus, der vor mehr als 200 Jahren sein Unternehmen gründete? Wie hat er den Markt für sein Produkt und seine Konkurrenten eingeschätzt, welche Marketingstrategien geplant, wie muss man sich seinen Kostenplan vorstellen? Unterschieden sich seine unternehmerischen Strategien eigentlich von denen heutiger Startups? Eine ungewohnte Perspektive, aus der Claudia Gottfried die historische Unternehmensgründung beleuchtete und zudem eine für Cromford Gespräche ungewöhnlichen Unterstützung bekam: Dr. Peter Baumann (Bild links) begleitete das Programm musikalisch und lud mit seinen ausgewählten Musikstücken in die Zeit Brügelmanns ein.

 

Die Veranstaltung im Mai 2015, die von dem Vereinsmitglied Dr. Jürgen Kanne initiiert wurde, griff allgemeine Fragen zur kulturellen Entwicklung auf. In diesem Gespräch referierte Dr. Kanne, der aufgrund seines langjährigen Engagements in Afghanistan ein guter Kenner der dortigen Verhältnisse ist, über das Land und die vergessene Geschichte dieses einst so erfolgreichen Baumwollproduzenten. Zudem ging es um die Entwicklung der dortigen Kunstszene, wobei auch der afghanischer Künstler Aatifi, der zeitgleich im Ratinger Stadtmuseum ausstellte, zum Gespräch erschienen war.

Impressionen während des Cromford Gesprächs im Mai 2015.

Weitere Themenbeispiele der bisherigen Cromford Gespräche: Die Frage nach dem drohenden ‚Kulturinfarkt‘, die Professor Peter Vermeulen, Beigeordneter der Stadt Mülheim, im September 2012 aufwarf, als er unter dem Titel „Mit Kultur Staat machen!?“ über die Problematik der Kulturförderung referierte. Im Jahr 2013 stand dann der Kreis Mettmann im Mittelpunkt; Landrat Thomas Hendele stellte in der Diskussionsrunde die Marke „Neanderland“ und das Kulturmarketing des Kreises vor.

Neben den allgemeinen Themen geben die Cromford Gespräche besondere Einblicke in das Ausstellungsgeschehen. So lenkten z.B. im Juni 2012 die Kuratorinnen Claudia Gottfried und Christiane Syré anlässlich der Sonderausstellung „Glanz und Grauen“ in der Textilfabrik Ratingen im Cromford Gespräch den Blick auf die Jugend während des Nationalsozialismus. Unter dem Titel „Uniform und Kluft – HJ und oppositionelle Jugendgruppen im »Dritten Reich«“ vertieften sie das Ausstellungsthema und stellten diesen einen Aspekt der vielbesuchten Schau zur Diskussion. Und auch das große Gemeinschaftsprojekt vom LVR-Industriemuseum und dem LWL Ruhr Museum zum Kriegsbeginn 1914 wurde in einem Cromford Gespräch aufgegriffen. Dafür stand im März 2014 der Direktor des LVR-Industriemuseums und Mitinitiator der auf Zollverein in Essen präsentierten Ausstellung „1914 – Mitten in Europa“ auf Zollverein in Essen, Dr. Walter Hauser, als Referent zur Verfügung.

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